Generalplanung und Bauaufsicht Justizpalast Wien, Generalsanierung
Projektbeschreibung
Erstmals seit dem Wiederaufbau und der Aufstockung nach dem Brand im Jahr 1927 wurde der Justizpalast einer umfassenden baulichen und gebäudetechnischen Generalsanierung unterzogen. Schwerpunkt der Planung waren die funktionale Neuordnung, die Sanierung aller Gebäudeteile und die Umsetzung aller Vorschriften in Bezug auf Barrierefreiheit und Brandschutz. Alle Maßnahmen wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt geplant und ausgeführt. So wurden u.a. auch zwei neue Fluchtstiegenhäuser und neue Fluchtausgänge geschaffen.
Sämtliche Arbeiten in diesem wichtigsten und größten Gerichtsgebäude Österreichs wurden während dem laufenden Gerichtsbetrieb durchgeführt. Dazu wurden die Maßnahmen auf vier Bauabschnitte aufgeteilt.
Für die Dauer der Bauarbeiten wurde das Landesgericht für Zivilrechtssachen in ein Ausweichquartier am Schwarzenbergplatz ausgesiedelt. Dadurch wurde ca. ein Viertel der Räume frei. Die verbleibenden Beschäftigten wurden innerhalb des Hauses jeweils so umgesiedelt, dass immer ein Gebäudeviertel vertikal übereinander leer stand und die Sanierungsmaßnahmen auch geschoßübergreifend durchgeführt werden können. Nach Fertigstellung der Arbeiten wurden die sanierten Räumlichkeiten wieder besiedelt und der im Uhrzeigersinn nächste Bauabschnitt in gleicher Weise der Sanierung unterzogen.
Die neu erforderlichen Einbauten und Restaurierungen von Bodenbelägen, Wand und Deckenmalereien wurden in diesem sehr sensiblen Gebäude im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt geplant und ausgeführt. Den nachträglich entstandenen Anforderungen und Wünschen der Nutzer entsprechend, erfolgten während der Generalsanierung auch der Ausbau des Dachgeschoßes mit der Errichtung eines Speisesaales und die Errichtung einer neuen Zentralbibliothek in einem Innenhof.
Schwerpunkte der Generalsanierung
– Sanierung und Erneuerung sämtlicher Räume in Bezug auf Hochbau und Haustechnik
– teilweise Neuanschaffung der Einrichtung der Büros
– neue Einrichtung in den Verhandlungssälen und der Bibliothek
– Errichtung von zwei neuen Fluchtstiegenhäusern auf der Museumstraßenseite
– teilweise Neuherstellung oder Sanierung der Bodenbeläge in den Gängen
– Sanierung oder Neuherstellung der Wandverkleidungen, Türen, Ausführung von Brandschutztüren und Schallschutztüren
– Errichtung von Brandabschnitten
– Brandschutzmaßnahmen wie z.B. Adaptierungsmaßnahmen, um die bestehenden Stiegenhäuser als gesetzeskonforme Fluchtstiegenhäuser nutzen zu können
– neue Raumnummerierung mit entsprechender Beschilderung
– Erarbeiten von Fluchtwegplänen für jede Bauabschnittsphase
– Erneuerung aller Aufzüge
Auszüge aus dem Buch „Der Wiener Justizpalast“ erschienen
2007 im MANZ Verlag
„Der Blick ins Innere zeigt, dass Bauherrn und Architekten die Quadratur des Kreises geglückt ist: die behutsame Adaptierung eines der markantesten Ringstraßenbauten an die Erfordernisse eines modernen Justizapparats – und das in Einklang mit dem Denkmalschutz.“
Auszug Vorwort von Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident der Republik Österreich
„Das mehr als 120 Jahre alte Gebäude ist in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten bei laufendem Betrieb vom Keller bis zum Dachfi rst einer tiefgreifenden, aber zugleich behutsamen Generalsanierung unterzogen und dabei durch den Ausbau des Daches und den Zubau einer Bibliothek beträchtlich erweitert worden. Das Ergebnis ist gleichsam
ein neues Haus, das dennoch der vertraute, traditionsreiche Wiener Justizpalast geblieben ist. Die im Gebäude untergebrachten Behörden dürfen ihre Tätigkeit in der Atmosphäre eines prächtigen Altbaus ausüben, ohne auf moderne technische und funktionelle Rahmenbedingungen verzichten zu müssen. Daher wurde bei der Generalsanierung auch besonderes Augenmerk auf eine klare funktionelle Gliederung und auf eine barrierefreie Erschließung aller Bereiche gelegt. Der Wiener Justizpalast ist nun wieder bestens gerüstet, Symbol und Zentrum einer unabhängigen, selbstbewussten und menschenfreundlichen Rechtspflege in Österreich zu sein.“
Dr. Maria Berger, Bundesministerin für Justiz
Fakten
Auftragsart
Geladenes Verhandlungsverfahren
mit Wettbewerbscharakter
Auftragsumfang
Generalplanung Sanierung inkl. Einrichtung,
örtliche Bauaufsicht, Baustellenkoordination gem. BauKG,
Projektsteuerung, Logistikplanung für Übersiedlungen
Auszeichnung
1. Rang
Auftraggeber
Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
Auftragnehmer
atelier.23 in ARGE
mit Arch. Prof. Wilda
Ort
Schmerlingplatz 10-11, 1010 Wien
Realisierung
1994–2007
Bruttogrundfläche
41.500 m²







